RSV im SC 36 Neuss-Grimlinghausen e.V.

 

 

Jessica Lichtenberg ist die sechste Voltigiermeisterin 

 

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Die 36-jährige Neuss-Trainerin erhält höchste Auszeichnung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung

Verden (FN/dk). Eine Auszeichnung der besonderen Art gab es im Rahmen der Deutschen Meisterschaften in Verden für Jessica Lichtenberg. Die langjährige Neusser Trainerin, die in der Voltigierwelt schon unter ihrem Mädchennamen Schmitz weltweit bekannt war, wurde in der Niedersachsenhalle für ihre herausragenden Erfolge als Aktive und Ausbilderin mit dem Ehrentitel „Voltigiermeisterin“ ausgezeichnet. Die 36-jährige zweifache Mutter, die mit ihrer Familie in Köln lebt, ist die sechste Vertreterin des Voltigiersports, die diesen Titel erhält und steht damit in einer Reihe unter anderem mit ihrer Mentorin Agnes Werhahn, die diesen Titel als erste Voltigiertrainerin am 21. Juli 2009 verliehen bekommen hatte. Die Laudatio auf Jessica Lichtenberg hielt Co-Bundestrainer Kai Vorberg.

„Jessicas Wirken im Sport über viele Jahr hinweg und in vielen Funktionen ist beispiellos. Nicht umsonst hat sie es neben den zahlreichen Medaillen und Titeln sowohl als Voltigiererin und vor allem als Longenführerin und Trainerin auch geschafft, einige besondere Pferde in den Sport zu bringen. Als herausragendes Beispiel kann hier sicherlich Delia genannt werden, die es als bislang einziges Voltigerpferd in den Spitzenpferde-Förderkreis des Hannoveraner Zuchtverbandes schaffte, und damit den Namenszusatz FRH trägt. Daran zeigen sich Jessicas Verdienste in der Ausbildung und um den Sport in besonderem Maße“, sagte Vorberg, der im gleichen Jahr wie Lichtenberg geboren wurde und viele Stationen in seiner Laufbahn gemeinsam – und auch ab und zu als Konkurrent – mit Lichtenberg beschritt.

Die Karriere von Lichtenberg ist tatsächlich beispiellos in der nationalen und auch internationalen Voltigier-Szene: Durch ihre beiden älteren Schwestern kam sie bereits früh zum Voltigieren und wurde mit sechs Jahren in eine Voltigiergruppe des RSV Neuss-Grimlinghausen aufgenommen. Vier Jahre später gehörte sie dem Top-Team des renommierten Vereins an. 1992 holte sie die WM-Goldmedaille als Oberfrau, 1996 und 1998 bei den Weltreiterspielen kamen zwei weitere WM-Goldmedaillen als Unterfrau hinzu. Mit drei Weltmeister-, zwei Europameistertiteln und sechs deutschen Meistertiteln, dazu einer WM- und einer EM-Silbermedaille zählt Jessica Lichtenberg bis heute zu den erfolgreichsten Gruppenvoltigiererinnen aller Zeiten.

Die Ernennung zum Reit-, Fahr- oder Voltigiermeister durch das Präsidium der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) erfolgte in Verden allerdings nicht ausschlaggebend in Hinblick auf die eigene sportliche Karriere, sondern vielmehr aufgrund der Erfolge und Verdienste als Trainerin und Longenführerin. Bereits mit 15 Jahren besaß Jessica Lichtenberg dank einer Sondergenehmigung ihren ersten Longenführerausweis und stürzte sich nach Beendigung ihrer Karriere in der Gruppe und einem kurzen Ausflug ins Einzelvoltigieren voll in die Aufgaben der Longenführerin. 2005 wurde ihre Neusser Gruppe Deutscher Vizemeister. Im gleichen Jahr gewann das von ihr trainierte Mix-Team „KölNeuss“ Silber bei der Junioren-Europameisterschaft. 2006 folgte der erste Weltmeistertitel für das neu kreierte „Team Neuss“ bei den Weltreiterspielen in Aachen, ein weiterer WEG-Triumph folgte 2014 im französischen Caen. Dazu gab es drei Europameistertitel in Folge: 2011 (Le Mans), 2013 (Ebreichdorf) und 2015 (Aachen). Dabei setzten die Rheinländer – angeführt von Lichtenberg – immer wieder neue Maßstäbe in puncto Kreativität und Schwierigkeit.

Nicht zu schlagen war das Team Neuss auf nationaler Ebene: Von 2006 bis 2015 gewann die Mannschaft ununterbrochen zehn Mal den nationalen Titel (2010 gemeinsam mit Köln). Danach beendete die studierte Germanistin und Sportwissenschaftlerin ihre Trainertätigkeit für das Team, unterstützt ihren Heimatverein jedoch weiterhin als Beraterin und Trainerin der Junior- und S-Gruppe und ist hauptverantwortlich für den Bereich des Spitzen-Einzelvoltigiersports am Neusser Nixhof.

Parallel zu ihrer Trainertätigkeit für die Gruppe betreute Jessica Lichtenberg auch Einzelvoltigiererinnen, unter anderem Antje Hill (Vize-Weltmeisterin 2010), Simone Wiegele (Weltcup-Siegerin 2011) und Pauline Riedl. Seit 2016 steht Lichtenberg für Janika Derks als Einzel-Athletin sowie Derks / Johannes Kay als Pas-de-Deux an der Longe und reiste mit ihnen im vergangenen Jahr zu den Weltmeisterschaften nach Le Mans. Dort verpasste Derks nur knapp einen Platz auf dem Treppchen und wurde Vierte, das Duo gewann Silber. In dieser Saison siegte Derks erstmals beim CHIO in Aachen und gilt als eine der Top-Favoritinnen für internationale Championate für die nächsten Jahre, ebenso wie Pauline Riedl.

Die Auszeichnung in Verden kam für Lichtenberg völlig überraschend: „Ich war zu 100 Prozent überrascht, ich wurde wirklich eiskalt erwischt.“ Besonders war die Auszeichnung für die Rheinländerin vor allem, weil die Laudatio von Kai Vorberg kam. „Wir sind sehr viele Wege parallel gegangen und haben gemeinsam Höhen und Tiefen erlebt. Kai hat das mit seinen Worten sehr emotional auf den Punkt gebracht. Als er gesprochen hat, wurde mir schlagartig bewusst, dass ich tatsächlich ein Großteil meines Lebens dem Sport verschrieben habe und es schon 30 Jahre sind.“ Verden war für Lichtenberg der perfekte Ort für die Verleihung. „Hier hatte Delia 2015 die FRH-Auszeichnung erhalten und auch diesmal war es mit all den Zuschauern und FN-Vertretern ein sehr warmer Rahmen, der unheimlich viel positive Energie ausstrahlte.“

Die Neusserin möchte sich auf ihrem Titel für die Zukunft aber keinesfalls ausruhen. „Die Verleihung hat mir tatsächlich noch einmal Aufwind und Motivation gegeben. Ich möchte in Zukuft auch in den Disziplinen Einzel und Doppel versuchen, die Maßstäbe zu setzen, die wir mit dem Team setzen konnten. Das ist energetisch das, was mich puscht und am Ball bleiben lässt. Das habe ich in Verden noch einmal in besonderem Maße festgestellt.“

Einen großen Dank richtet Lichtenberg an ihre Mentorin Agnes Werhahn. Von der Neusser Meistertrainerin habe sich Lichtenberg für ihre eigene Arbeit sehr viele Aspekte übernommen – allerdings stets auch versucht, eine eigene Handschrift zu entwickeln und weiterzudenken. „Ich denke, so sollte das Verhältnis zu einem Mentor auch sein.“ Auch heute wendet sich Lichtenberg im Übrigen mit dem einen oder anderen Problem noch an die 60-Jährige, die zur Verleihung in Verden ebenfalls anwesend war.

Neben Werhahn sind die weiteren Voltigiermeister Ingelsberg-Trainer Alexander Hartl, Ex-Bundestrainerin und FEI-Richterin Helma Schwarzmann aus Goslar (beide hatten den Titel 2009 erhalten), Mainz-Trainerin Hanne Strübel (2011) sowie Kai Vorberg aus Sassenberg, der im vergangenen Jahr als Voltigiermeister geehrt wurde.

 

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